The DWN Interview with Uwe Leuschner

Zusammenarbeit wird kräftig ausgebaut: Auch die Deutsche Bahn kann auf China nicht mehr verzichten

Der Schienenverkehr zwischen China und der EU gewinnt an Bedeutung. Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten sprachen mit dem Geschäftsführer der DB Cargo GmbH, Uwe Leuschner, über die weiteren Aussichten und die Einführung neuer Technologien wie Blockchain im Gütertransport.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie hat sich das China-Geschäft der DB Cargo in den letzten Jahren entwickelt?

Uwe Leuschner: Wir haben uns im Jahr 2018 mit der neuen Vertriebseinheit DB Cargo Eurasia auf dem gesamten Eurasischen Korridor neu aufgestellt. Als Dienstleister im Verbund mit DB Schenker (als Spedition), DB Cargo (als Carrier) und DB Cargo Logistics (für das industriespezialisierte Geschäft) tritt die DB Cargo Eurasia als Operator und Provider der DB im Markt auf. Durch die Präsenz bei CR (China Railway) und diversen chinesischen Plattformen ist es uns in Schanghai gelungen, Vertrauen und Präsenz aufzubauen und neue Projektideen zu entwickeln. Damit wachsen wir aktuell schneller als der Markt.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie sind die Perspektiven für die nächsten Jahre?

Uwe Leuschner: Mit DB Cargo Eurasia wollen wir das Produkt und die Partnerschaften weiter ausbauen und professionalisieren. Das komplexe Geschäft muss unabhängig von chinesischen Subventionen auf eine neue konkurrenzfähige Basis gestellt werden. Ergänzungen, z.B. mit neuen Technologien wie Block Chain, integrierten Lösungen und neuen Produktgruppen (wie z.B. Batterien, die in China als Gefahrgut gelten, gekühlte Ware, Chemieprodukte) werden hier das Wachstum weitertreiben können. Wir sind uns jedoch bewusst, dass weiterhin die politische Großwetterlage, das Überwinden von infrastrukturellen Engpässen und die weitere Verbesserung der Kommunikation zu Kunden und Partnern Schlüsselfaktoren unseres weiteren Erfolges sind.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie verläuft Ihre Zusammenarbeit mit anderen Operateuren wie der UTLC oder CRIMT?

Uwe Leuschner: Die CRIMT ist unser Vertragspartner für den Transport der Container auf dem Korridor Chinas, die UTLC ist hauptsächlich Vertragspartner zwischen Dostyk und der europäischen Außengrenze. Sowohl mit CRIMT als auch mit UTLC verbinden uns weitere Themen. So arbeiten wir mit der CRIMT zurzeit an Lösungen im Austausch mit Dokumentationen sowie Erfahrungen und Technologien im Gefahrguttransport. Die UTLC ist für uns Partner für Innovativen bzgl. multimodaler Lösungen, z.B. in der Relation Kaliningrad – Ostsee, aber auch beim Austausch und Aufbau zu neuen Destinationen wie aktuell in der Relation Xian-Verona, die wir seit August 2019 bedienen.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Planen Sie, in den nächsten Jahren weitere Transportkorridore einzurichten?

Uwe Leuschner: Im Interesse des Kunden arbeiten wir stetig an Lösungen, die qualitativ hochwertig sowie sicher sind und die insbesondere die Transitzeit bei gleichzeitiger Kostenkontrolle reduzieren. So ist der Ausbau der Korridore über die Mongolei, die transsibirische Linie aber auch weitere Lösungen über Kasachstan wie Khorgos im Fokus. Im europäischen Teil wollen wir unsere Dreiecksverkehre zwischen Malaszewicze, Duisburg und Hamburg erweitern und Richtung Süden neue Dreieckslösungen schaffen. Außerdem haben wir die Korridore über die Ostsee Richtung Nordeuropa und die Transitrichtung über die Ukraine Richtung Dobra im Blick.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Was ließe sich an den Abläufen des Güterverkehrs verbessern?

Uwe Leuschner: Ziel aller Beteiligten sollte sein, in den nächsten Jahren ein “United Railway Bill“ innerhalb des gesamten Korridors zu bilden. Dabei geht es insbesondere darum, die heutigen CIM (Règles uniformes concernant le Contrat de transport international ferroviaire des marchandises) und SMGS (Soglashenije Meshdunarodnom Grusowom Soobstschenii) Regelungen innerhalb eines gemeinsamen Dokuments zu verbinden. Der elektronische Daten- und Dokumentenaustausch und Block Chain Lösungen zwischen den Spediteuren, Operateuren und Carriern können dabei die Effektivität der Containerverkehre entscheidend steigern. Insbesondere in Europa ist die gezielte Planung neuer Terminal-Destinationen ein weiterer Schritt, um die Geschwindigkeit im Containerumschlag in und aus China zu erhöhen.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Gibt es geopolitische Unwägbarkeiten und wie wirkt sich das auf Ihre Planungen aus?

Uwe Leuschner: Der Schienenverkehr ist immer abhängig von der Infrastruktur und den beteiligten Betreibern innerhalb der einzelnen Länder, die Struktur des Eisenbahnwesens in China und in der eurasischen Union unterscheidet sich zurzeit immer noch stark vom sich mehr und mehr liberalisierenden Eisenbahnmarkt in Europa. Die politische Ausrichtung nach wie vor monopolisierter Strukturen behindert oft noch effektiv integrierte Lösungen gegenüber dem Kunden. Nur der Dialog aller beteiligter Bahnen, Operateure und entscheidender Spediteure kann dabei helfen, diese Barrieren zu überbrücken. Plattformen für diesen Dialog zwischen den Beteiligten gibt es seit Jahren ausreichend. Die DB engagiert sich insbesondere innerhalb der Konferenz der Korridorbahnen für effiziente Zusammenarbeit.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Welche operativen und technische Neuerungen haben Sie in der letzten Zeit eingeführt bzw. stehen vor Ihrer Einführung?

Uwe Leuschner: Wir denken permanent über Innovationen für unsere Kunden nach. Ein alternatives Routing der Container innerhalb Europas durch Regelzugdreiecks- und Vierecks-Lösungen gehört genauso dazu, wie IT-Systeme und spezielle kundenorientierte IT Tools, die die Kommunikation und den Austausch von Daten beschleunigen. DB Cargo Eurasia wendet dabei an, was im DB Konzern schon seine Bewährungsprobe bestanden hat.

Info zur Person: Uwe Leuschner ist Senior Vice President Business Development Eurasia bei der DB Cargo AG, Geschäftsführer der DB Cargo Eurasia GmbH und Direktor der DB Cargo Russija in Moskau.